von Gregor Schürer
Neulich hatten wir Besuch. Als unser Gast seinen Mantel an die Garderobe hängte, wunderte er sich darüber, dass auf dem Schrank im Flur ein Glöckchen steht.
Was hat es denn damit auf sich? – wollte er wissen.
Eigentlich ganz einfach.
Wir leben in einem Haus mit drei Etagen. Als die Kinder noch zu Hause wohnten, streckte die wunderbarste Köchin der Welt, also meine Frau, regelmäßig den Kopf in den Flur und rief Essen ist fertig!.
Viele von Ihnen kennen das bestimmt aus eigener Erfahrung. Das klappt nicht immer mit dem Essensruf. Die eine hat die Musik so laut, dass sie es nicht hört. Die andere telefoniert gerade, der dritte schlummert süß.
Also muss man oft ein zweites Mal rufen oder das Essen wird kalt.
Ein unbefriedigender Zustand, der sich nach einem Ausflug in die Eifel verbesserte. Denn dort entdeckten wir in einer Glockengießerei wunderbare, von Hand gearbeitete Messing-Glöckchen. Wir suchten das mit dem schönsten und hellsten Klang aus, nahmen es mit und drapierten es zu Hause an zentraler Stelle. Seitdem wird, immer wenn bei Schürers eine Mahlzeit zubereitet ist, das Glöckchen geläutet. Und wie durch ein Wunder kommen alle Hungrigen plötzlich in Windeseile in die Küche geeilt. Ganz egal, in welchem Stockwerk sie gerade sind, ganz egal, was sie dort gerade tun.
Es funktioniert einwandfrei, schont die Stimmbänder und hat auch was Symbolisches. Zum Kirchgang an den Tisch des Herrn wird schließlich ebenfalls mit Glocken geladen.
Kling, Glöckchen klingelingeling, auch nach Weihnachten zur Nachahmung empfohlen.